Gegenwind ohne Gegenwind

„Zur Zeit ist das Grombachtal nicht als Windkraftanlagengebiet ausgewiesen!”, stellte die erste Vorsitzende Christiane Berberich  nach der Begrüßung der Mitglieder des Vereins bei der Hauptversammlung 2019 fest. Auch der Hornbuckel in Heidelsheim ist aufgrund des Vorhandenseins seltener Vogelarten nicht als WKA-Gelände im Blickpunkt. „Aber das ist kein Grund für uns, sich beruhigt zurück zu lehnen!” stellte Berberich mahnend fest, „die Politik kann sich schnell ändern.”

Schatzmeister Dr. Bernd Stojanik referierte über Soll und Haben der „Gegenwind”-Schatulle. Die Kasse war von den Kassenprüfern Peter Adam und Heiner Eckert geprüft worden. Schriftführer Michael Speck erstattete Bericht über die weiteren „Gegenwind”-Aktivitäten. Der Verein verzeichnet zur Zeit 51 Mitglieder. Auf Antrag von Peter Adam erfolgte die einstimmige Entlastung der Gesamtverwaltung.

Die anstehenden Neuwahlen endeten mit der Weiterverpflichtung von Christiane Berberich (Vorsitzende), Dr.  Bernd Stojanik (Schatzmeister) und Michael Speck (Schriftführer) für weitere zwei Jahre.

Die Verwaltung wird ergänzt durch die Beisitzer Silvia Hilsenbeck, Andreas Frische, Klaus Kehrwecker, Volker Mödinger, Dr. Wolfram von Müller, Norbert Rohleder, Eckbert von Bohlen und Halbach sowie Loni von Rhein.

Für 2019/2020 will „Gegenwind” weiter Augen und Ohren offen halten, um die Gefahr des Baus von Windkraftanlagen im Grombachtal frühzeitig verifizieren zu können. Für das neue Vereinsjahr sind Info-Veranstaltungen, Vorträge und Filmvorführungen vorgesehen.

Bettina Haßler hielt Vortrag über Artenerfassung

Bettina Haßler bei ihrem Vortag über die Dokumentation bedrohter Vogelarten im Vogelhäusle in Obergrombach. Foto: K. Kehrwecker
Bettina Haßler bei ihrem Vortag über die Erfassung bedrohter Vogelarten im Vogelhäusle in Obergrombach. Foto: K. Kehrwecker

In trauter Eintracht fanden sich zusammen etwa 40 Mitglieder des Vogelschutz- und Zuchtvereins Obergrombach und des Vereins Gegenwind Obergrombach-Helmsheim-Kraichgau im „Vogelhäusle“ im Spesental zusammen, um den Worten von Dipl. Oec. Troph. Bettina Haßler zu lauschen. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied im Verein „Lebensraum Schluttenbach e.V.“ und hat ihre Aktivitäten dem Schutz der einheimischen Vogelwelt im Kampf gegen des Aufstellen von Windkrafträdern gewidmet.

In ihrem Obergrombacher Vortrag erläuterte sie, wie sie sich seit mehreren Jahren mit dem Artenvorkommen im Großraum Ettlingen und speziell in Schluttenbach auseinandersetzt. Viele Stunden verbringt Haßler mit der Fotokamera in freier Natur, um mit vielen Tausend Bildern zu dokumentieren, welchen Einfluss der Bau von Windkraftanlagen auf bedrohe Tierarten wie Rotmilan, Schwarzmilan, Sperber, Wanderfalke, Turmfalke, Habicht, Bussard und Wespenbussard in ihrer Heimatregion hat. Dabei handelt es sich bei allen Spezies ausnahmslos um solche, die auch im Kraichgau heimisch sind. Hier kommen noch Störche hinzu. Nur durch überzeugende Bild- und Wortbeweise – kartografisch, dokumentarisch und fotografisch – lassen sich Behörden und Politiker davon überzeugen, welche negativen Auswirkungen der Bau von Windkraftanlagen auf die Gefiederten hat. Insbesondere auch dann, wenn – wie im Bereich Bruchsal – das Erreichen einer profitablen Windstärke höchst fraglich ist. So wurde jetzt die Windhöfigkeit für rentable WK-Anlagen von 5,75 m/sec auf 4,75 m/sec reduziert.

Haßler verzeichnet ein vermehrtes Fällen von nachgewiesenen Nistbäumen und das Vergiften von Greifvögeln in Gegenden, wo der Bau von Windkraftanlagen im Raum steht. Damit werden Vogelschutzrichtlinien, die 1979 auf EU-Ebene beschlossen wurden, schlichtweg ausgehebelt. Aus den Reihen der Obergrombacher Vogelexperten wurde das Vorhandensein vieler der erwähnten Vogelarten auf der Gemarkung bestätigt.

Nach etwas über einer Stunde war ein spannender Vortrag mit packenden Bilder zu Ende. Der Vogelschutz- und Zuchtverein Obergrombach veranstaltet am Sonntag, 24. Mai, für alle Interessierten eine „Vogelkundliche Wanderung“. Start ist um 8.00 Uhr beim „Vogelhäusle“. Dazu ist jederman und –frau herzlich eingeladen.

Infraschall durch Windkraftanlagen

Dr. von Müller und Dr. Dumm (v.l.n.r.) beim Gegenwind Stammtisch zum Thema "Infraschall"
Dr. von Müller und Dr. Dumm (v.l.n.r.) beim Gegenwind Stammtisch zum Thema „Infraschall“

Bei seinem letzten Infoabend hatte der Obergrombacher Verein „Gegenwind“ den Arzt Dr. Andreas Dumm aus Malsch bei Rastatt zu Gast. Dr. Wolfram von Müller begrüßte im Namen von „Gegenwind“ im „Burgstüble“ seinen Berufskollegen, der auch dem Landesvorstand der 80 zusammengefassten baden-württembergischen Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen angehört, und die etwa 20 Gäste.

Dr. Andreas Dumm hat sich in den letzten Jahren mit einem schwierigen Thema beschäftigt: dem durch WKA’s ausgelösten „Infraschall“ und seine Auswirkungen auf den Menschen.
In der Bundesrepublik Deutschland regelt die Verordnung „TA Lärm“ im Zusammenhang mit der DIN 45680 (Messung und Bewertung tieffrequenter Geräuschimmissionen in der Nachbarschaft) dafür, welche Lärmpegel zumutbar sind. Nicht berücksichtigt jedoch ist Lärm, der jenseits der vom Menschen wahrnehmbaren Hörfrequenzen ist. Je höher eine Windkraftanlage ist, je länger die Rotoren, umso größer die Chance, rentabel Energie zu gewinnen. Zwar sinkt dann auch der hörbare Lärm, jedoch sorgen Luftkomprimierung und Schalldruck für eine Steigerung der Infraschall-Werte. Die Folgen der „tieffrequenten Lärmbelästigung“ sind Schlafstörungen und Depressionen. Nicht bewusst wahrgenommene Signale dringen trotzdem in das Gehirn, lassen den Körper vibrieren oder schädigen den Gleichgewichtssinn des Menschen, was sich anfühlt wie die Seekrankheit.

Untersuchungen in den letzten beiden Jahren haben ergeben, dass nicht hörbare Schallbelästigung Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Nervosität, Herzrasen, Atmungsstörungen und Bluthochdruck hervorrufen können. Jedoch reagiert jeder menschliche Organismus anders.
Tiere können niederschwellige Frequenzen eher vernehmen als menschliche Ohren. Deshalb meiden sie auch WKA-Gelände. Die „Landesanstalt für Umweltschutz des Landes Baden Württemberg“ (LUBW) verneint bis jetzt gesundheitliche Schädigungen durch Infraschall und niederfrequenten Lärm.